Autogenes Training
Der Mensch ist in der Lage allein über seine Vorstellungskraft zu entspannen. Autogenes Training aktiviert diese mithilfe von Autosuggestionen. Sie dienen als Mittel der Selbstbeeinflussung. Stufenweise erlernen Sie, sich auf in einen Zustand körperlicher und seelischer Balance, tiefer Ruhe und Entspannung zu bringen. Dabei werden vegetative Vorgänge im Körper beeinflusst, die normalerweise nicht unserem Willen unterliegen. Organe wie Magen, Darm, Blutgefäße und Herz, die vom vegetativen Nervensystem innerviert werden, können so in ein harmonisches Gleichgewicht gebracht werden. Regelmäßiges Üben unterstützt Sie darin, mehr Ruhe und Gelassenheit zu entwickeln, Körper und Seele zu vitalisieren, die körperlichen Abwehrkräfte zu stärken, die Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen, Nervosität und Ängste zu reduzieren, Herz und Kreislauf zu entspannen und die innere Harmonie zu fördern.
Struktur des Autogenen Trainings
Das Autogene Training wird traditionell in eine Unter- und Oberstufe unterteilt. Zunächst werden Sie schrittweise in sieben Kernübungen eingeführt, die darauf abzielen, körperlich angenehme Empfindungen herbeizuführen. Die Vorstellung von Schwere und Wärme in einzelnen Körperteilen, die Fokussierung auf einen ruhigen, gleichmäßigen Atem, die Beruhigung des Herzschlags, die Erzeugung eines Wärmegefühls im Bauch und die Suggestion eines kühlen Gefühls auf der Stirn bilden die Basis. Umrahmt wird der Entspannungsprozess von der sogenannten Ruhetönung. Sie dient vor allem als mentale Einstimmung auf das Training und hilft, Alltagsgedanken durch Formeln wie „Die Gedanken kommen und gehen. Alles ist gut so wie es ist“ gehen und den Geist stiller werden zu lassen. Jede Sitzung schließt mit der Zurücknahme ab. Durch klare Anleitung kommen Sie wieder ganz im Hier und Jetzt und im eigenen Körper an.
Ablauf einer Sitzung
Zu Beginn klären wir die Ziele, die Sie mit dem AT erreichen möchten und wägen ab, ob das Verfahren bei Ihren Beschwerden angewendet werden darf. Sie erhalten umfassende Informationen, wofür AT eingesetzt werden kann und für welche Beschwerden das Verfahren nicht geeignet ist. Kontraindikationen können schwere psychische Störungen sein, in denen ein Abgleiten in negative Denkabläufe, Wahn und Halluzinationen, Flashbacks oder Intrusionen zu befürchten ist. Auch bei einigen körperlichen Krankheiten ist Vorsicht geboten, z. B., wenn Minderdurchblutungen des Kopfes oder plötzliche Blutdruckveränderungen drohen. Neu auftretende Symptome klären Sie bitte stets zuerst ärztlich ab. Wenn keine Bedenken bestehen, erproben Sie zunächst die drei klassischen Körperhaltungen, die Droschkenkutscherhaltung, die Pharaonenstellung und die entspannte Rückenlage. Nachdem Sie die für Sie passende Haltung eingenommen haben, erlernen Sie die Unterstufe stufenweise über mehrere Wochen. Jede Woche wird eine neue Übung hinzugefügt und mit den bereits gelernten kombiniert. Jederzeit können Sie während einer Kursstunde die Übung unterbrechen. Wir besprechen Ihre Erfahrungen am Ende und integrieren Sie in Ihre Therapie bzw. Ihren Coaching-Prozess. Die Zeit zwischen den Kursstunden nutzen Sie für das eigene Üben zuhause. Dafür erhalten Sie einen Wochenplan, in den Sie Erfahrungen eintragen, und eine Aufnahme mit der Anleitung der Therapeutin. Regelmäßiges, am besten tägliches Üben, ist entscheidend, um Veränderungen zu erzielen. Am Ende des Kurses sind Sie in der Lage, alle Übungen auf einmal durchzuführen.
Mentale Klarheit und Problemlösung
Wenn für die Linderung Ihrer Beschwerden geeignet, können wir die Oberstufe des Autogenen Trainings besprechen. Sie stellt Ihe Vorstellungskraft noch mehr in den Vordergrund. Dabei visualisieren Sie vorher besprochene Situationen, versetzen sich mental in sie hinein und rufen gleichzeitig beruhigende Bilder hervor, die tiefe Entspannung ermöglichen. In der Entspannung können intuitive Lösungsansätze entstehen, Selbsterkenntnis vertieft und konstruktive Reflexionsvorgänge in Gang gesetzt werden. Beim Üben gilt es, Geduld und Akzeptanz zu entwickeln. Die Rolle eines wertfreien Beobachters kann dabei sehr helfen. Sie hilft zu verstehen, dass alles, was im Geist erscheint, auch wieder vergeht. Es muss uns nicht beunruhigen und kann uns nichts antun, wenn wir nicht danach handeln. Die Einbettung des Erlebten in die Therapiesitzung oder das Coaching ermöglicht Reflexion und eingehenden Austausch. Wichtig ist, damit nicht allein zu bleiben. Mit jeder Erfahrung sind Sie willkommen und angenommen. So lassen sich allmählich auch Erfahrungen in ihr Selbstkonzept integrieren, die vorher eventuell abgewehrt oder verzerrt werden mussten.