Depressionsberatung

Leiden Sie (oder ein Angehöriger) unter typischen Symptomen einer Depression, ist eine ausführliche Depressionsberatung der erste Schritt auf dem Weg in Richtung Genesung. Die Beratung dient dazu, Sie über die Depression als Erkrankung umfassend aufzuklären und mittels eines stabilen Fundaments an Handlungswissen in die Lage zu versetzen, überlegt die nächsten Schritte zu gehen. Sie erhalten eine breite Informationsbasis, die als Hilfe zur Selbsthilfe dient, Sicherheit vermittelt und zu einer Aufnahme einer evidenzbasierten, wirksamen Behandlung motiviert. Eine gute Depressionsberatung ist ein ganzheitlicher Prozess. Wir bauen miteinander eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung auf, die es uns ermöglicht, gut zusammenzuarbeiten, um uns dann um Anamnese, Diagnostik und die Beratung zu möglichen Behandlungsstrategien zu begeben. Die Beratung orientiert sich dabei maßgeblich am Schweregrad Ihrer Erkrankung.

Depression – eine gut behandelbare Erkrankung

Depression gehört heute zu den gut behandelbaren psychischen Erkrankungen. Es liegen evidenzbasierte, wissenschaftlich erforschte und gut erprobte Behandlungsstrategien vor. Je eher Sie sich dazu entschließen, eine fachgerechte Behandlung aufzunehmen, desto besser.

In der Beratung klären wir in der Anamnese zunächst Ihre psychischen und körperlichen Beschwerden, weitere Grunderkrankungen und Diagnosen und alle Umstände und Entwicklungen, die zu Ihrem jetzigen Erleben, persönlichen Befinden und Verhalten beigetragen haben. Sollten Sie sich mit Ihren Beschwerden noch keinem Arzt vorgestellt haben, holen Sie dies bitte an dieser Stelle nach, denn Depressionen können, wie jede andere psychische Erkrankung, auch physisch verursacht werden. Eine körperliche Ursache muss daher sicher ausgeschlossen sein, damit wir zusammenarbeiten können.

Häufig ist die Depression mit körperlichen Symptomen wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtverlust und Schmerzen verbunden, die manchmal jedoch nicht als Teil der Depression erkannt werden. Ich helfe Ihnen, sie ins Gesamtbild Ihrer Beschwerden einzuordnen und sie, sofern dies der Fall ist, als Teil der Erkrankung Depression zu verstehen. Sofern Sie aufgrund der physischen Beschwerden befürchtet haben, eine schwere körperliche Erkrankung zu haben, kann die Erkenntnis, dass hier die Depression am Wirken ist, zu einer gravierenden Entlastung führen.

Entstehung und Aufrechterhaltung der Depression

In der Beratung bin ich interessiert daran, Ihre Ideen zur Entstehung der Depression kennenzulernen. Wir nehmen Sie auf und schauen uns ein sogenanntes „Störungsmodell“ an, das uns hilft, ein gemeinsamen Verständnis Ihrer Erkrankung zu entwickeln. Dabei interessieren nicht nur die Faktoren, die die Depression mitverursacht haben, sondern auch die aufrechterhaltenden Bedingungen, die dazu beitragen, dass die Erkrankung nicht von allein wieder verschwindet. In der Regel sind es genetische und neurobiologische Aspekte, die Sie für die Erkrankung vulnerabel, also anfällig, gemacht haben. Ein Blick auf den oft veränderten Botenstoffwechsel im Gehirn hilft, die Depression mit ihren Symptomen wie z. B. Verstimmung, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit und extremer Erschöpfung nicht als „Willensschwäche“ misszuverstehen, sondern als eine wirkliche Erkrankung, die sich auf alle Ebenen des Menschen auswirkt. Dazu kommen meist psychosoziale Aspekte, gravierende Lebensereignisse und aktuelle Belastungen, die die Situation verschärfen. Am Ende benötigt es dann nur noch einen Auslöser wie einen massiven Konflikt oder ein Verlusterlebnis, das als Auslöser fungiert, damit die Krankheit ausbricht.

Jeder Mensch verfügt aber auch über eigene Bewältigungsstrategien, hilfreiche Ressourcen und weitere protektive Faktoren wie z.B. einen guten Rückhalt bei einem Partner, familiäre Bindungen, eine enge soziale Einbindung in einen Verein oder eine Gemeinschaft. Sie wirken mildernd auf die Ausprägung Ihrer Symptome, sind ein wichtiges Element in der Behandlung und können, auch wenn der Zugang dazu aktuell nicht leicht möglich erscheint, wieder aktiviert werden.

Negative Gedanken, gedrückte Stimmung und Rückzugsverhalten wirken bei einer Depression nicht selten wie ein Teufelskreis mit sich selbst verstärkendem Effekt. Wir schauen ihn uns in der Beratung näher an und identifizieren Stellen, an denen Sie daraus aussteigen können. Der Umgang mit Ihren Gedanken spielt in der Behandlung der Depression eine entscheidende Rolle. Häufig zeigen sie eine negative Sicht auf die eigene Person, auf die Umwelt und auf die Zukunft, die sogenannte „kognitive Triade“. In der Beratung lernen Sie, diese Gedanken nicht als Fakten zu betrachten. Sie sind nur eine „Brille“, die Ihre Wahrnehmung verzerrt, und nicht die Realität. Sie erlernen Strategien, wie Sie die Brille immer wieder von Neuem Stück für Stück mehr abnehmen. In diesem Lernprozess hilft eine Kombination aus Validierung der auftretenden Gefühle, Entwicklung von Akzeptanz und Geduld mit sich selbst und täglichem Bemühen, Fortschritte im Umgang mit dem eigenen Geist zu erzielen.

Praktische Hilfestellungen

Ein wichtiges Element ist der Aktivitätenaufbau im Alltag für Ihre Genesung. Bei Bedarf strukturieren wir Ihren Tagesablauf, kümmern uns um Ihre Schlafhygiene und suchen nach Unterstützern in Ihrem Umfeld, die Ihnen bei der Einhaltung eines geregelten Aktionsplans helfen können. Das Ziel besteht darin, den Teufelskreis aus Inaktivität und Rückzug, der für die Depression so typisch ist, zu durchbrechen. Da im Rahmen der Depression die Batterien leer sind, planen wir dabei keine „Großtaten“, sondern Aktivitäten, die ein Erfolgserlebnis ermöglichen, ohne Sie zu überfordern. Eine kleinschrittige Aktivierung ist wichtig, um Erfolgserlebnisse aufzubauen, das Selbstwertgefühl zu steigern und Genussmomente zu erleben.

Bei einer Depression kehrt sich die erwartbare Abfolge von Motivation zu einer Handlung und der Handlung selbst meist um. Deshalb geht es jetzt darum, die Handlung auszuführen, auch wenn Sie dazu keinerlei Motivation verspüren. Danach notieren Sie sich in einem Aktivitätenprotokoll auf einer Skala von 0 bis 10, wie sie sich vor und nach der Aktivität gefühlt haben. Selbst wenn Ihre  Stimmung nur minimal gestiegen oder gleichgeblieben sein sollte – das Signal ans Gehirn ist: Meine Stimmung sinkt nicht mehr ins Bodenlose, handeln schadet nicht. Es wirkt dem Gefühl, stimmungsmäßig ins Bodenlose zu fallen, wirkungsvoll entgegen. Prägen Sie sich am besten folgenden Slogan ein: Action before motivation. Erwarten Sie auch weiterhin nicht unbedingt, Lust auf den Spaziergang zu haben. Sie machen ihn einfach, weil er auf Ihrem Plan steht, nicht weil Sie sich danach fühlen.

Mehrdimensionale Behandlung

In der Regel müssen Depressionen auf mehreren Ebenen behandelt werden. Eine Beratung ersetzt nicht die ärztliche, psychiatrische und/oder psychotherapeutische Behandlung. Im Rahmen der Psychotherapie steht oft die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), bei der Denkmuster und Verhaltensweisen überprüft und verändert werden, im Vordergrund. Eine Kombination mit Antidepressiva ist bei mittelschweren und schweren Episoden meist besonders erfolgversprechend. Bei sehr schweren Ausprägungen, die z. B. mit Wahn und Halluzinationen einhergehen können, kommen auch weitere Verfahren wie die transkranielle Magnetstimulation zum Einsatz.

Nach der aktiven Behandlungsphase wird an der Rückfallprophylaxe gearbeitet. Hier steht die Stabilisierung, die Etablierung des Gelernten in den Alltag und Strategien für den Umgang mit Krisensituationen im Vordergrund. Die Akzeptanz der Erkrankung ist dabei ein wichtiger Motor, um auch weiterhin etwaigen Grübelneigungen entgegenzusteuern, die Aktivitäten weiter auszubauen und die medikamentöse Einstellung in  Absprache mit Ihrem Arzt oder Psychiater beizubehalten.