Zur Ruhe kommen, still werden, ganz bei sich sein – ein solches Bedürfnis hat wohl jeder Mensch dann und wann in seinem Leben. Dieser Wunsch kann der Anlass sein, sich der Mediation zuzuwenden. Denn in der Meditation können wir innere Einkehr und Frieden einerseits, Verbundenheit, Freiheit und Weite andererseits erleben.
Über die Meditation
In der Meditation sind wir in Verbindung mit unserem Innersten. Das ist der Teil ins uns, der beständig, unveränderlich, unvergänglich ist, der uns Halt gibt, egal welchen Turbulenzen und Herausforderungen wir im Außen ausgesetzt sind. „Wer innehält, findet in seinem Inneren Halt“, so sieht es Laotse.
Im Idealfall finden wir zurück zu einer Form des ganz einfachen Seins. Wir erleben, dass das Verweilen in der reinen Wahrnehmung uns rückverbinden kann mit tiefer innerer Freude und einem hohen Bewusstsein. So werden wir befähigt verantwortungsvoll zu handeln. Die in der Meditation gewonnene Eingebung trägt uns und das meist länger und steter, als die Ergebnisse, die uns unsere Ratio zu schenken imstande ist.
Um in diesem Zustand für eine geraume Zeit verweilen zu können, braucht es in der Regel stetige Übung. Letztlich ist die höchste Form des In-der-Mitte-Seins jedoch nicht lehr- oder lernbar. Er fällt uns zu. Manche Meister sagen, der Zustand der Meditation sei ein Zustand der „Gnade“. Obwohl Meditation in ihrem Wesen einfach und ganz natürlich ist, können wir tiefe Versenkung letztlich nicht ‚machen‘. Bestimmte Meditationstechniken helfen jedoch häufig, besser in eine solche positive Form der Absorption hineinzukommen. Viele davon sind bereits Jahrtausende alt und werden auf der ganzen Welt täglich praktiziert.
Vorübungen zur Meditation
Folgende Vorübung kannst du in deinen Alltag einbauen, um in einen meditativen Gemütszustand zu kommen: Nimm dir für 15 bis 30 Minuten bewusst Zeit. Den Zeitraum bestimmst du. Am Anfang dürfen es auch fünf oder sieben Minuten sein. Suche einen ruhigen Raum, einen ungestörten Platz auf, an dem du ohne Ablenkungen ganz für dich sein kannst. Beobachte deinen Atem. Verlege dich auf eine Geisteshaltung des Lauschens, Wahrnehmens, Empfangens und Erfahrens:
- Lasse dabei den Wunsch, etwas erreichen zu wollen, ganz los.
- Lasse los, ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen.
- Lasse los, Stress abbauen, sich anders oder besser fühlen zu wollen.
Übergebe dich der inneren Beobachtung mit dem Fokus auf dem Atem. Erlebe sein Kommen und Gehen. Das Heben und Senken deiner Bauchdecke. Den Weg des Atems von den Nasenlöchern bis tief in deine Lungen. Spüre die Kühle der Luft beim Eintreten in deine Nasenlöcher und die wärmere Luft beim Austreten aus deinen Nasenlöchern. Nimm wahr, wie er dich mehr und mehr nach Innen führt. Der Atem ist genug. Einfach zu sein, ist genug. Du bist genug.
Reine Wahrnehmung in der Natur
Wenn die Konzentration über die Atembeoachtung anfangs schwer ist: Gehe für mindestens eine halbe Stunde hinaus in die Natur und überlasse dich ihr ganz. Verlangsame deine Schritte. Bleib stehen.
- Lasse los, einen bestimmten Ort erreichen zu wollen.
- Lasse los, Tiere entdecken und ihr Verhalten studieren zu wollen.
Widme dich der Wahrnehmung der Natur. Nimm tief in dich auf, wie der Baum, vor dem du vielleicht stehst, auf dich wirkt, welche Energie von ihm ausgeht. Was wird erfahrbar? Du kannst den Wind auf der Haut spüren, Vogelgesang lauschen, etwas Erde in die Hand nehmen und ihre Beschaffenheit, Textur, Temperatur wahrnehmen. Lass dich ein und nimm dir Zeit.
Vielleicht kommen dann nach einer Weile Gedanken und Bewertungen zum Zustand des Baumes auf. Du überlegst, wie alt er wohl ist, oder ob er den nächsten Sturm wohl übersteht. Registriere diese Gedanken, Bewertungen und Analysen nur, ohne ihnen weiter nachzugehen. Sie sind absolut okay, sie dürfen da sein. Und dann kehre zurück zur bloßen Wahrnehmung. Kehre immer wieder zur bloßen Wahrnehmung zurück.
Verurteile dich dabei nicht, wenn der Geist ins diskursive Denken geht. Das ist eine seiner natürlichen Funktionen und damit ganz normal. Wir gönnen ihm nun aber eine Auszeit, indem wir uns bewusst machen: Wir versäumen nichts, wenn wir nur wahrnehmen. Wir sind nicht weniger nützlich oder weniger wert, wenn wir nicht denken, nicht zu konkreten Ergebnissen kommen oder den erwünschten Gemütszustand nicht erreichen.
Erfahrungen in der Meditation
Ganz im Gegenteil: Wir geben uns die Möglichkeit, eine neue Erfahrung zu machen: die Erfahrung, einfach nur zu sein. Nach längerer Übung, nimmst du in dir vielleicht Folgendes wahr:
- einen frischeren, offeneren Geisteszustand
- das Erlebnis, dass du wertfrei wahrnimmst, was auf dich zukommt
- Leichtigkeit, Wachheit und Gelöstheit
- Ruhe und Verbundenheit mit der Umgebung
Mache die erste oder zweite Übung täglich für mindestens 14 Tage. Sei konsequent. Beobachte, wie sich dein Erleben verändert. So einfach diese Wahrnehmungsübung auch erscheint, so schwierig ist es doch oft, dabeizubleiben. Ein fester Entschluss, von nun an mindestens 14 Tage lang, für 15 Minuten an dem von dir gewählten ruhigen Ort den Atem zu beobachten oder eine halbe Stunde in der Natur zu verweilen, um die reine Wahrnehmung zu praktizieren, kann deshalb sehr hilfreich sein. Setze dir einen festen Zeitpunkt am Tag. Gehe z.B. immer sofort nach der Arbeit für eine halbe Stunde nach draußen oder stelle dir für die Atembeobachtung den Wecker 15 Minuten vor deiner normalen Aufstehzeit. Es meditiert sich am besten, wenn alle noch schlafen und es ganz still um dich herum ist.
Lenken dich dennoch Geräusche ab, nimm das freundlich wahr, bewerte es nicht und kehre zurück zur bloßen Wahrnehmung. Es ist unerheblich, ob du naturnah wohnst oder städtisch. Dein Job ist es, alles Ablenkende stehenzulassen und sich dem Wahrnehmen und Erfahren eines bestimmten Meditationsobjektes zuzuwenden. Das kann statt des Atems oder einem äußeren Objekt wie einem Baum auch ein positives Wort wie Stille oder Frieden sein. Erfahrenere meditieren gerne auch mit einem persönlichen Mantra. Viel Spaß beim Üben!