Wie geschieht Veränderung in der Psychotherapie?
Nicht selten geschieht Veränderung langsam. Denn was wir uns über Jahre antrainiert oder erduldet haben, lässt sich nicht in einer Woche ins Gegenteil verkehren. Schwierige Erfahrungen müssen wir uns erst aneignen, um sie in einem allmählichen Prozess integrieren und umgestalten zu können. Dazu braucht es Mut. Schließlich haben wir uns zum gewissen Teil auch an unser Leiden gewöhnt.
Wenn etwas also sehr schmerzhaft ist, tun wir oft trotzdem lange Zeit so, also gäbe es das Problem nicht. Manchmal vermeiden wir, uns ihm zu stellen oder wir wehren es aktiv ab. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo unser Geist ungewollt beginnt, sich mit dem Problem zu beschäftigen. Es drängt sich förmlich auf und lässt sich nicht mehr wegschieben. Der Symptomdruck wird stärker und andere um uns bemerken, das mit uns etwas nicht stimmt.
Vielleicht beginnen wir uns stärker zurückzuziehen, uns „merkwürdig“ zu verhalten, wir passen uns übermäßig an oder wir werden aggressiv. Zwischenmenschliche Schwierigkeiten entstehen. Andere erleben wir womöglich als Zumutung. Unsere Probleme schieben wir eher auf sie. Wirklich Verantwortung für uns zu übernehmen, fällt uns zunehmend schwerer.
Wenn wir Hilfe erfahren und uns verändern, kann sich das zunächst bemerkbar machen, indem wir uns zunächst passiv bereit erklären, uns mit unserem Problem zu beschäftigen. Ein wichtiger Umkehrpunkt ist erreicht, wenn uns irgendwann dämmert, dass wir doch eine gewisse Verantwortung haben und wieder bereit werden, Verantwortung für unser Leben zu übernehmen.
Wir erkennen das Problem an. Es beginnt uns verstärkt zu interessieren, das Problem zu verstehen und es mit Hilfe der Therapeutin näher zu erkunden. Wir erfahren, dass wir in der therapeutischen Beziehung verstanden werden und dies ein sicherer Boden ist, um aktive Bewältigungsstrategien auszuprobieren, um sie später im Alltag umzusetzen.
Es kann sein, dass wir zu trauern beginnen, verwirrt sind, uns ausgeliefert fühlen. Das zuzulassen, kann herausfordernd sein. Dabei wird unsere Abwehr immer brüchiger, bis sie sich schließlich auflöst.
Dann kann sich in uns etwas umstrukturieren. Irgendwann beginnt sich der Fokus auf das Problem aufzulösen und wir fühlen uns wieder mehr in Übereinstimmung mit uns selbst. Wir erhalten wieder Zugang zu einer breiteren Palette an Erlebens- und Verhaltensmöglichkeiten.
Die Realität müssen wir nun nicht mehr ausblenden. Stattdessen können wir darangehen, sie neu zu gestalten und unser Leben neu zu ordnen.